Reservierbare Ladepunkte sollen den Werksverkehr elektrifizieren
Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugflotten stellt Logistikunternehmen vor neue Herausforderungen. Neben leistungsfähigen Fahrzeugen und ausreichender Reichweite wird vor allem die planbare Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur zu einem entscheidenden Faktor. Genau hier setzt ein neuer Pilotversuch von FRYTE Mobility, TRATON Charging Solutions und MAN Charge an. An drei MAN-Standorten in München, Dachau und Nürnberg wird erstmals getestet, wie sich Ladepunkte gezielt für den Zulieferverkehr reservieren lassen.
Der Forschungs-Pilot soll zeigen, wie Ladeinfrastruktur, Buchung, Authentifizierung und Abrechnung in einem durchgängigen digitalen Prozess zusammengeführt werden können. Ziel ist es, die Planungssicherheit für Speditionen zu erhöhen und den operativen Einsatz von E-Lkw im Werksverkehr zu erleichtern.
FRYTE Mobility ermöglicht verbindliche Ladeslots für Logistiker
Im Zentrum des Projekts steht die digitale Reservierung von Ladepunkten über die Plattform von FRYTE Mobility. An jedem der drei MAN-Standorte wird ein Ladepunkt in der jeweiligen Anlieferzone für die teilnehmenden Unternehmen bereitgestellt.
Die Disponenten der beteiligten Speditionen können ihre Ladezeiten bereits vor der Anfahrt verbindlich buchen. Die Ladeslots werden dabei direkt an die bestehenden Transport- und Anlieferprozesse angepasst. Dadurch lassen sich Ladezeiten gezielt in die Tourenplanung integrieren.
An der Pilotphase beteiligen sich vier Transportdienstleister:
- Kloiber
- Johann Dettendorfer Spedition
- Jan de Rijk Logistics
- Schachinger Logistik
Gerade im industriellen Zulieferverkehr sind enge Zeitfenster und exakt abgestimmte Prozesse üblich. Für E-Lkw bedeutet das, dass verfügbare Ladepunkte zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein müssen. Die Lösung von FRYTE Mobility adressiert genau diese Anforderung.
TRATON Charging Solutions integriert Ladeinfrastruktur per OCPI
Die technische Basis für das Pilotprojekt liefert TRATON Charging Solutions. Das Unternehmen betreibt die eingesetzte Ladeinfrastruktur und hat diese über eine OCPI-Schnittstelle mit der Plattform von FRYTE Mobility verbunden.
Durch die Integration können nicht nur Reservierungen vorgenommen werden. Auch zahlreiche betriebliche Rahmenbedingungen werden digital abgebildet. Dazu gehören unter anderem:
- Öffnungszeiten der Standorte
- Verfügbare Ladefenster
- Buchungsregeln
- Flexibilitätsvorgaben
- Standortbezogene Parameter
Damit entsteht ein vollständig digitaler Prozess von der Transportplanung über die Reservierung bis zur tatsächlichen Nutzung des Ladepunkts.
Für Betreiber von Ladeinfrastruktur bietet dies zusätzliche Vorteile. Die Auslastung der Ladepunkte lässt sich besser steuern, während gleichzeitig die Transparenz über zukünftige Belegungen steigt.
MAN Charge sorgt für Authentifizierung und Abrechnung
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts ist MAN Charge. Die Lösung übernimmt die Authentifizierung der Fahrer sowie die Abrechnung der geladenen Energie.
Die teilnehmenden Transportdienstleister erhalten spezielle Ladekarten, mit denen die Fahrer die zuvor reservierten Ladevorgänge freischalten können. Dadurch wird der gesamte Ablauf deutlich vereinfacht.
Der Prozess gestaltet sich dabei in drei Schritten:
- Reservierung des gewünschten Ladeslots
- Authentifizierung vor Ort mittels Ladekarte
- Automatische Abrechnung des Ladevorgangs
Durch diese Verknüpfung von Reservierung und Bezahlvorgang entsteht ein nutzerfreundlicher Ablauf für den täglichen Einsatz von E-Lkw im Werksverkehr.
Warum planbare Ladeinfrastruktur für E-Trucks entscheidend ist
Mit zunehmender Elektrifizierung von Nutzfahrzeugflotten rückt die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur immer stärker in den Fokus. Anders als bei konventionellen Fahrzeugen müssen Ladezeiten aktiv in die Tourenplanung integriert werden.
Besonders im Zulieferverkehr können ungeplante Wartezeiten erhebliche Auswirkungen auf Produktionsabläufe und Lieferketten haben. Reservierbare Ladepunkte schaffen hier zusätzliche Sicherheit.
Die Verantwortlichen des Projekts sehen darin einen wichtigen Schritt zur wirtschaftlichen Skalierung elektrischer Nutzfahrzeuge. Durch die Verknüpfung von Infrastruktur, Reservierungssystemen und Abrechnungslösungen sollen Hemmnisse für den Einsatz von E-Trucks reduziert werden.
Die Zusammenarbeit von FRYTE Mobility, TRATON Charging Solutions und MAN Charge zeigt, wie digitale Prozesse dazu beitragen können, Ladeinfrastruktur besser nutzbar zu machen und den Alltag von Logistikunternehmen zu vereinfachen.
Was der Pilot für Flottenbetreiber bedeutet
Für Flottenbetreiber könnte das Projekt wichtige Erkenntnisse liefern. Die Möglichkeit, Ladezeiten bereits bei der Disposition verbindlich einzuplanen, verbessert die Vorhersagbarkeit von Touren und reduziert potenzielle Standzeiten.
Gleichzeitig erhalten Betreiber von Ladeinfrastruktur bessere Möglichkeiten zur Steuerung ihrer Anlagen. Die Kombination aus Reservierung, Zugangskontrolle und automatisierter Abrechnung schafft eine Grundlage für effizientere Ladeprozesse im gewerblichen Einsatz.
Sollte sich der Pilot bewähren, könnten ähnliche Konzepte künftig auch an weiteren Industrie- und Logistikstandorten umgesetzt werden.
Der gemeinsame Pilot von FRYTE Mobility, TRATON Charging Solutions und MAN Charge zeigt, wie sich Ladeinfrastruktur gezielt in bestehende Logistikprozesse integrieren lässt. Reservierbare Ladepunkte, digitale Buchungssysteme und eine nahtlose Authentifizierung schaffen mehr Planungssicherheit für E-Lkw-Flotten. Gerade im zeitkritischen Werks- und Zulieferverkehr könnte dieser Ansatz dazu beitragen, die Elektrifizierung von Transportketten effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten.



